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SFpurpurFluß

     
30.05.2008 11:30

"Mitgespielt": 3 - 17.6

Alle drei wie für den Abtransport hingestellt. So ist's mir vorgekommen. Im mittleren drinnen haben wir Nina reglos gesehen, zwischen den zwei Männern in ihren Käfigen. Nina mit gebrochenen Augen. Mit gebrochenen Augen, Jochen. Das erste Mal, daß ich so was gesehen hab'. Wirklich das erste Mal. Nina muß noch nicht lange tot gewesen sein, ist's mir vorgekommen. Wenn wir ein bißchen früher gekommen wären, hätt Nina vielleicht noch gelebt. Am Handgelenk hatte Nina - wie die zwei toten Männer daneben - eine Kanüle stecken, mit einem Plastikband fixiert ..."

"Blutsäufer!" hielt Dschonie fest. "Die saufen das Blut! Und sie bringen bei ihren Riten Menschen um, opfern sie auf dem Altar ..."

"Die Frage war, was wir mit Nina machen sollen", setzte Tommy fort. "Nina mußte aus dem Käfig raus ... Aber, ehe wir dazu gekommen sind, Nina rauszuzerren - haben wir Stimmen gehört. Ich glaub', ich hab' die vom Schwarzen Baart erkannt. Da war eine Auseinandersetzung zwischen denen. Es nützte nichts, wir mußten auf der Stelle fort. Was sollte das mit Nina, wenn Nina tot war? Kein Puls, nirgends irgendwas bei Nina. Ich hab' Saskia weggezerrt. Wir mußten den Weg zurück nehmen. Und zwar schnell. Es konnte nicht sein, daß die beiden blutverschmierten Weißkittel unbemerkt blieben. Glücklich sind wir alle über die Leiter die Mauer hoch, mit der Leiter auf der anderen Seite hinabgestiegen. Wir wollten uns schon umarmen, daß wir das geschafft haben - da sind sie über uns gekommen, so sechs, sieben Mann mit Holzknüppeln. Ich bin am Boden gelegen, als Reiki und Bill von hinten angegriffen haben. Das hat die ganze Bande in die Flucht getrieben, weil da noch andere Leute waren und die gemeint haben, die kämen auch dazu, uns beizustehen. Mann, haben wir ein Glück gehabt!"

"Das mit Nina, das zahlt Ligga mir", schwor Saskia Rache, sicher nicht Saskias erster Racheschwur. "Das zahlt diese Ligga mir!

"Ich würd' sagen, Kai hat echt recht", redete Dschonie leise. "Die müssen wirklich bald aufpassen. Die sind zwar hier in der Stadt organisiert. Aber man kann sich auch organisieren. Man kann sich auch gegen sie organisieren, würd' ich sagen ..."

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30.05.2008 08:24

"Mitgespielt": 3 - 17.5

wie still alles war. Das heißt, wenn die von dem 'Tiermotel' früher ihre Viecher reinholten aus den äußeren Zwingern, hat man danach nicht mehr viel von denen gehört."

Schweigen am Tisch.

"Die Türen innerhalb waren links und rechts alle abgesperrt. Die Guckklappen waren ebenfalls ohne 'nen Schlüssel nicht aufzumachen, damit wir reinleuchten hätten können. Komisch." Die Schulter zuckte Tommy. "Alles dichtgemacht, obwohl keiner uns erwartet haben konnte. Oder doch? Das war ein Gedanke, der uns erschreckt hat, was, Leute? Da durch eine der Türen reinzukommen, das wäre sogar mit Brecheisen und Hammer schwierig gewesen, ich meine, das hätte viel mit Arbeit zu tun gehabt ..."

"Aber - uns hat keiner erwartet, Tommy." Tränen wischte Saskia sich mit einem Papiertaschentuch von den Wangen. "Wir haben Nina gefunden - tot! Geradeaus weiter sind wir in einen großen Raum gekommen, vollgestellt mit Käfigen aller Art. Dazwischen war ein Gang freigelassen. Gegenüber, an einem langen Strecktisch, haben wir zwei Weißkittel überrascht, die Plastikbehälter in Kühlboxen hineingehoben haben."

"Die zwei wollten sich nicht ergeben." Tommy seufzte. "Wir mußten mit denen kämpfen. Einer von denen hat eine Glasflasche zerbrochen, die scharfe Kante des Flaschenhalses Dschonie quer die Stirn gezogen."

Mit dem Daumen zeigte Dschonie seine große Narbe, grinste.

"Die Weißkittel waren wie Stehaufmännchen!" Den Kopf schüttelte Tommy. "Wir haben sie umgeknüppelt, und immer wieder sind sie hochgekommen. Das Blut ist denen gelaufen, ihre Gesichter waren Brei, aber sie haben sich aufgerappelt. Irgendwas müssen die Brüder eingeworfen haben, anders kann ich mir das nicht vorstellen. Und es war ein Lärm und ein Geschrei. Alles der reinste Wahnsinn. Dann sind die endlich dagelegen, haben sich wirklich nicht mehr gerührt. Wenn wir die umgebracht haben - wenn mir das mal einer vorwerfen möchte, mich würd's nicht interessieren."

"Nina haben sie schon umbringen dürfen!" entfuhr es Saskia. 

"Linker Hand an der Wand vor dem Tisch der Weißkittel waren die Käfige nicht leer ...", unterrichtete Tommy.

Heftige Schluchzer Saskias.

"Das waren so Käfige für die mannsgroßen Viecher", veranschaulichte Tommy es. "Drei Stück nebeneinander.

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29.05.2008 09:27

"Mitgespielt": 3 - 17.4

Eine Zigarette zündete Saskia für sich und Tommy an, reichte die seine an Tommy weiter. Drei, vier Züge genoß Tommy, drückte die Filter dann aus.

"Bin Richtung 'Smart'", setzte Tommy die Erzählung fort. "Am Kriegerdenkmal hab' ich Saskia sitzen gesehen. Gegenüber sind Kai und Ligga aus einem Vielstöcker raus, und Kai und Ligga haben sich geküßt, ohne auf was andres zu achten. Trotzdem hatte Kai schlechte Laune, hat nur rumgemault. Daß er den Schwarzen Baart am liebsten kaltmachen würde. Solch ein Idiot wäre der Schwarze Baart. Noch ein paar Tote mehr, dann würde der Großmeister eingreifen müssen. Das war eine Tatsache, daß der Schwarze Baart mit seiner Aufgabe nicht zurechtkäme. Er, Kai, er hätte sicher nichts dagegen, wenn Leute starben: auf dem Opfertisch. Durch den Dolch des Zeremonienmeisters. Das wäre der Zweck der Leute, kein anderer. Dem Schwarzen Baart jedoch stürben sie unter der Hand weg, obwohl er nur für Blutentnahme zu sorgen hätte; der Schwarze Baart, der würde weiterzapfen, würde nichts merken, daß es kein Wunder wäre, daß sich viele nicht mehr davon erholen könnten. Was hätte man denn von denen, die dem Schwarzen Baart verstarben, wenn sie deswegen nicht auf dem Opferaltar landeten ...? Damit war es Saskia und mir klar, Jochen, mehr mußten wir nicht hören: Wir mußten in dieses Gebäude rein, in das der Schwarze Baart rein ist, dort drinnen nachschauen, ob Nina nicht ..."

"Tja, Jochen ..." Dschonies Kopfnicken. "Tommy hat mich aus der 'Laterne' geholt, mir alles erzählt, was Saskia und er mitgekriegt haben. Am Tag haben wir uns genau angeschaut, was das für ein Betrieb war, in dem der Schwarze Baart verschwunden war. Früher war das am Stadtrand ein privates Tierheim. 'Tiermotel' hat es geheißen."

"'Tiermotel'", raunte Saskia. "'Private Abgabe und Vermittlung von Tieren an privat. Geringe Kosten'."

"Das Ding haben wir einen Tag beobachtet", sprach Dschonie. "Am Tag war alles ruhig. Dann hatten wir einen Plan. Mitten in der Nacht sind wir zu sechst dort angekommen. Zwei waren die Aufpasser, vorn und hinten. Ich, Saskia, Tommy und Herbie sind auf der Leiter, die wir mitgebracht haben, auf die Mauer rauf. Das ist dort eine Art Lärmschutzmauer, Jochen, wohl zu dem Zweck, daß, wenn die Viecher zu laut waren, das die Leute der Umgebung nicht übermäßig belästigt hat. Auf der anderen Seite war eine Passage zwischen zwei großen leeren Zwingern, als wir runtergeleuchtet haben. Dort sind wir mit Hilfe der Leiter runter. Das war wirklich seltsam,

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29.05.2008 08:27

"Mitgespielt": 3 - 17.3

"Als Saskia das gewußt hat, daß Ligga und Nina ... - hat Saskia Ligga gefragt, ob sie nicht wüßte, wo Nina denn wäre", erzählte Tommy weiter. "Das würde sie nicht wissen, hat Ligga geantwortet, sie hätten sich nur kurz getroffen, nur übers Wetter geredet. Weil Ligga so komisch geschaut hat, war Saskia sich sicher, daß hier irgendwas nicht stimmte. Keine Ruhe hat Saskia gegeben, bis wir abends runter sind, uns gegenüber von dem Haus in die Dunkelheit gestellt haben, um zu warten, ob Ligga wie sonst irgendwann dann am späten Abend rauskommen würde. Und Ligga ist rausgekommen; um die Zeit, wie wir sie schon öfters getroffen haben. Hinter Ligga sind wir hergeschritten, Arm in Arm. Als erstes hat Ligga Kai getroffen, Küßchen links, Küßchen rechts. Mit Kai zusammen ist Ligga fast zum gegenüberliegenden Ende der Stadt gelatscht. Bis plötzlich der Schwarze Baart bei Kai und Ligga herumstand. Was Kai und Ligga mit dem Schwarzen Baart zu bereden hatten, konnten Saskia und ich ziemlich gut verstehen. Kai hat den Schwarzen Baart angemacht, weil dem Schwarzen Baart zu viele Leute wegstarben. Ligga hat Kai recht gegeben. Wenn der Schwarze Baart nicht bald aufpassen sollte, würde der Großmeister alles erfahren; dann würde jemand anders seine Aufgaben übernehmen, weil der Schwarze Baart abgelöst würde. Der Schwarze Baart hat geantwortet, daß, wenn einer starb, sofort für Nachschub gesorgt wäre. Schließlich gäbe es genügend davon in der Stadt, nach denen keiner was fragen würde, wenn sie aus ihren Häusern rausgingen, nicht wieder in sie zurückkehrten. Trotzdem würde es zuviel werden, sollte man aufpassen, hat Kai weiter gesagt. Und wenn schon, man könnte die Leute auch zu zweit, zu dritt, zu viert in ihren Wohnungen abholen, wenn man das wollte, war die unbeeindruckte Rede des Schwarzen Baarts. Man wolle mit niemandem Krieg, es wäre nicht gut, Dinge an die große Glocke zu hängen, blieb Kai unzufrieden; Ligga hat Kai zugestimmt. Und wenn der Schwarze Baart das nicht begreifen wolle, würde bald jemand anders an seinen Platz berufen. Der Schwarze Baart hat Kai und Ligga verflucht, ist verärgert weggegangen. Nun mußten wir uns entscheiden, Jochen - und ich bin hinter dem Schwarzen Baart her, während Saskia Ligga und Kai hinterhergemacht hat. Nicht weit ist der Schwarze Baart gegangen. An eine Türe seitlich eines geschlossenen Doppeltores hat der Schwarze Baart geklopft. Und man hat dem Schwarzen Baart augenblicklich aufgemacht. Ein, zwei Minuten hab' ich dort noch gewartet, dann bin ich da weggegangen ..."

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28.05.2008 09:30

"Mitgespielt": 3 - 17.2

Tommy-Lehrer, der Mann an Saskias Seite, der trug einen Arm in der Schlinge, hatte um beide Hände einen Verband, und er schaute ähnlich hergeschlagen wie Saskia aus. Die zwei Namenlosen, von denen sich Jochen bisher keiner vorgestellt hatte, hatten in gleicher Weise kriegerische Handlungen hinter sich, viele Kratzer im Gesicht, das Näslein leicht schief.

"Wir hatten eine Geschichte, Jochen ...", klang Dschonie, der Jochen bei seinen Musterungen beobachtete.

"'ne ziemlich herbe, wenn ich mich euch so anschau'", versetzte Jochen.

"Kann man wohl sagen", stimmte Dschonie Jochen zu. "Nina ist tot! Saskias Freundin Nina ..."

Saskia legte ihr Gesicht in beide Handflächen.

Die Lippen schürzte Jochen, weil bei ihm das große Mitgefühl nicht aufkommen wollte. Übermäßig besonders war sein Verhältnis nie zu Nina, Saskias Freundin.

"Scheiß-Ligga!" entfuhr es Tommy, dem Lehrer.

"Was ist denn bei euch mit Ligga?" fragte Jochen.

"Der olle Heiko aus dem obersten Stock hat Nina mit Ligga zusammen gesehen", teilte Dschonie mit. "Der olle Heiko, der Mädchennachpfeifer, hat sich gewundert, daß Nina diese Ligga kennt, viel mit der redet. Und dann ist Nina auch noch mit Ligga mitgegangen. Das hat der olle Heiko Saskia gesagt, als Saskia im Haus herumgefragt hat, weil Saskia am Abend mit Nina verabredet war und Nina nicht bei ihr aufgetaucht ist. So was ist nicht die Art Ninas, einfach mal so nicht zu kommen, wenn sie gesagt hat, daß sie kommt. Bei sich in der Wohnung war Nina am nächsten Tag nicht anzutreffen, als Saskia öfters nachschauen gegangen ist, bei Nina nachfragen wollte."

"Wie kommt denn Nina dazu, mit der Ligga mitzumarschieren?" faßte Jochen es nicht.

"Würden sonst Dinge geschehen, Jochen, wenn es nicht Sachen geben würd', die keiner begreifen kann?" übernahm Tommy mißmutig die Rede. "Tatsache ist, daß die Ligga und Nina sich unterhalten haben. Der olle Heiko hat sie miteinander lachen sehen, die Weiber. Und dann sind Nina und Ligga miteinander weggegangen ..."

Lautstark schluchzte Saskia vor sich hin; Tommy-Lehrer legte Saskia den unverletzten Arm tröstend hinten um die Schultern.

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28.05.2008 08:24

"Mitgespielt": 3 - 17.1

17. 'ne Erzählung

Obwohl draußen das allerschönste Wetter mit brütender Hitze herrschte, hockte Jochen drinnen bei "Edward's", nippte an seiner zweiten Tasse schwarzen Tees. Wenigstens waren die mürrischen Leute gegangen, zu denen er sich hingesetzt hatte; ein Wunder, daß die das Jochen Nanu erlaubt hatten, sich dazuzusetzen.

Klopfen am Tisch. Den Kopf hob Jochen. Dschonie grinste auf ihn herab, präsentierte eine Flasche Bier; eine frische, fette Narbe hatte Dschonie quer die Stirn.

"Bei dir mehrere Plätzchen frei, Jochen?" war Dschonies Frage.

"Warum nicht, Dschonie?"

Der Kaffeehaustisch Jochen Nanus war nun wieder voll besetzt. Bei Dschonie waren Saskia, der Tommy-Lehrer; außerdem noch zwei Jochen unbekannte Typen, etwas Gehetztes in den Augen.

"Was geht ab, Jochen?" wollte Dschonie das Leben am Tisch. "Dich hab' ich ja jetzt ewig nicht mehr gesehen. Vierzehn Tage, etwas in dem Dreh ... Bist wohl viel bei Karin droben, nicht wahr? Karin läßt sich auch nirgends mehr blicken, Saskia, nicht?"

"Karin seh' ich selten", gab Jochen kund. "Karin arbeitet nachts. Karin kümmert sich um die Lampen in der Stadt, ob sie brennen. Und wenn wo ein Toter herumliegt, haben sie eine Karre dabei, auf die wird der dann geworfen. Das gehört dazu, auch daß Karin sich die Zeit nehmen muß. Und wenn Karin daheim, droben bei sich in der Wohnung, nicht schläft, betet Karin. Mit Reverend Fraud."

"Oh!" kommentierte Dschonie. "Hört sich nicht an, als ob Karin und du viel ..."

"Du hast es erfaßt, Dschonie!" Kopfnicken Jochens. "Mein Verhältnis zu Karin, das bessert sich erst wieder, wenn ich mit Karin zusammen bete, bei Reverend Fraud gebeichtet hab'. Und Reverend Fraud, der betet sowieso dauernd mit Karin; ohne den geht nichts. Gebet und heilige Messe ..."

"Hm!" meinte Dschonie dazu.

"Wie seht ihr denn alle aus?" staunte Jochen in die Runde. Saskia hatte zwei herrliche Veilchen, gespaltene Lippen; Saskias hübsches Spitznäschen sah zerknautscht aus - als wär Saskia irgendwo druntergeraten.

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26.05.2008 09:07

"Mitgespielt": 3 - 16.8

Die Pein im Knöchel machte sich bei Jochen langsam wieder bemerkbar. Die Augen verdrehte Jochen zur Raumdecke.

"Ich glaub', das muß ich Reverend Fraud sagen!" teilte Karin mit. "Ich denke, das wird Reverend Fraud nicht gefallen, wie du mich angefaßt hast, Jochen. Daß du das getan hast, das wirft kein sehr gutes Licht auf dich und deine Person. Ich an deiner Stelle, ich würd' mich sofort bei mir entschuldigen. Entschuldigst du dich nicht bei mir, Jochen, bleib' ich nicht hier bei dir unten, hörst du?"

Dem ganzen Schmerz zum Trotz, es langte Jochen. Jochen hob die Faust, drohte, Karin einen Fausthieb zu verpassen.

"Iiihhhh!" entfloh es Karin, Karin, die aus der unmittelbaren Nähe Jochens fortsprang. Im Nu war Karin auf dem Flurgang der Wohnung draußen. Ein Momentchen - Jochen erlauschte, daß Karin die Wohnungstür aufsperrte. Lautstark warf Karin die Tür ins Schloß.

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26.05.2008 08:19

"Mitgespielt": 3 - 16.7

brauchst du den eigenen."

"Wär' ich nicht drauf gekommen ...", gab Jochen zu.

"Wo ist denn deine Fernbedienung, Jochen?" war Karins Nachfrage, Karin, die herumguckte.

"Weiß gerade nicht, Karin", log Jochen.

"Ah, hätt' ich sehen müssen, Jochen!" Karins Grinsegesicht. "Das wär auch für mich die Idee, die dort hinzulegen. Statt dessen verleg' ich sie dauernd ..."

"Würd' ich bleiben lassen, was du vorhast, Karin ...", sprach Jochen leise.

"Warum denn?" Zum Farbfernsehgerät war Karin hingehuscht, hatte sich die Fernsteuerung links von der verbleibenden Kante auf dem Fernseherstellkasten gegriffen, begab sich im Rückwärtsschritt zum Wohnzimmertisch zurück.

Den Fuß hatte Jochen aus dem Wasserbad genommen, stemmte sich, auf die Tischfläche gestützt, in die Höhe. Als Karin, die das Knöpfchenfeld der Hilfsgerätes überschaut hatte, die Hand anhob, um den Knopf für Kanal vier zu drücken, war Jochen bei Karin, entriß Jochen Karin das Ding.

"Was tust du denn, Jochen?" fragte Karin überrascht.

"Ich will das nicht!" unterrichtete Jochen, schleuderte das Hartplastikteil für das Fernsehgerät auf die Couch. Dort prallte es von der Rückenlehne ab, rutschte über die Sitzfläche auf den Boden herab. "Das lassen wir schön bleiben. Du schaltest hier nichts ein."

"Was fällt dir ein, Jochen?" Mißmutig glotzte Karin Jochen an. "Ich wollte doch nur, daß Reverend Fraud auch an unserem Gebet teilnimmt."

"Brauche keinen Reverend Fraud!" Jochens angenervtes Abwinken. "Außerdem hab' ich das ganze religiöse Gesülze von dir satt, Karin. Satt hab' ich das. Satt bis obenhin."

"Gut!" konstatierte Karin. "Du bist noch nicht soweit. Darin hab' ich mich wohl geirrt. Das jetzt, das jetzt - das hätt' ich nicht von dir erwartet. Du hast mir weh getan! Entschuldige dich sofort bei mir!"

"Wo hab' ich dir denn weh getan, Karin?" verstand Jochen nicht.

"Du hast mich grob angepackt! Du hast mich an der Hand verletzt! Dabei möchte ich nur das Beste für dch." Ausgiebig beschaute Karin Handrücken, -gelenk, rieb die Rechte.

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25.05.2008 09:13

"Mitgespielt": 3 - 16.6

"Hm, hm!" Am Hinterkopf kratzte Jochen sich.

"Wer in Gott vertraut, dem wird von Gott geholfen", sang Karin, Karin, die ihre Arme wie so ein Prediger auf dem Berg vor einer Schar lauschenden Volks ausbreitete. "Vertraue auf Gott, in die Möglichkeiten Gottes, Jochen. Nimm Gott auf in deine Gedanken, um zu Gott hin dein Herz weit aufzumachen. Mehr braucht's nicht. Das ist das, was ich von Reverend Fraud erfahren hab'. Dorthin hat Reverend Fraud mich geführt. Weit ist das Tor der Erkenntnis mir aufgegangen. Und es ist mein Wunsch, Jochen, auch dich an dieses Tor zu führen. Bitte, Jochen, lasse das Tor weit für dich aufgehen. Bitte! Bitte, bete mit mir ..."

"Beten ...?" lispelte Jochen, dem es langsam zuviel wurde.

"Das Gebet, Jochen!" Den Finger hob Karin. "Keinen einfacheren Weg gibt es zu Gott als das Gebet! Ich weiß gar nicht, warum erst Reverend Fraud kommen mußte, mir das auseinanderzusetzen. Es ist doch selbstverständlich. Lange hätte ich das selber entdecken können, müssen, Jochen ..."

"Aber klar, Karin!"

"Beten wir, Jochen!" rief Karin. "Komm, Jochen, beten wir zusammen! Sprechen wir sofort ein Gebet. Welche Gebete kennst du?"

Stumm blieb Jochen.

"Nun ...?" Verlangen war in Karins Augen.

"Keine Ahnung, Karin ..." Jochen räusperte sich. "Weiß gerade keins. Ehm, ja, mir fällt keins ein ..."

"Hm, Jochen!" Nachdenklich wirkte Karin. "Wir müssen ja auch nicht unbedingt irgendein Gebet zusammen sprechen, Jochen, das du irgendwann mal gekannt hast. Wir können uns auch gemeinsam ein Gebet ausdenken ... Wenn du mir was vorsagst, sprech' ich's nach ... Wart mal, Jochen - hast du dir eigentlich den Zugangscode schon besorgt, mit dem du zu Reverend Fraud kommen kannst?"

"Nein, Karin, hab' ich nicht", raunte Jochen.

"Wär doch nicht schlecht, wenn Reverend Fraud an unserem Gebet teilnehmen könnte, Jochen ...", meinte Karin. "Reverend Fraud würde gerne mit uns beten ... Weißt du, wir brauchen deinen Zugangscode gar nicht - es reicht meiner. Wenn ich meine Zahlen eingebe, ist's genau das gleiche. Nur wenn du allein bist, Jochen,

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25.05.2008 08:23

"Mitgespielt": 3 - 16.5

hervorzubringen, dabei will ich dir helfen ..."

"Helfen willst du mir ...?" Die Arme verschränkte Jochen vor der Brust, starrte Karin an.

"Ja, Jochen - um das wiederzufinden, was du verloren hast", klang Karin. "Das, was ich auch verloren hatte. Das wiederzufinden, worum du dich lange nicht mehr gekümmert hast. Mir hat Reverend Fraud geholfen, und ich will sehen, ob ich dir helfen kann ... Mit der Hilfe von Reverend Fraud bin ich darauf gekommen, was meine Irrtümer waren. Ich weiß nicht, warum ich in meinem Leben so in die Irre gehen konnte."

"Ja ...?"

"Bitte, Jochen!" Der Blick Karins auf Jochen. "Es gibt in der Stadt keinen besseren Freund als Reverend Fraud. Es ist unser Glück, daß Reverend Fraud in die Stadt gekommen ist, um für uns in der Dunkelheit zum Licht zu werden. Es will uns hinausleuchten, und wir müssen ihm nur hinterherfolgen, um aus dem Dunkel ins Licht zu gehen ..."

"Was - dieses angemachte Strichmännchen!" konnte Jochen nicht länger an sich halten. "Diese Zeichentrickfigur aus der Rechnerkiste! Das bringt dich zum Durchdrehen, Karin?"

"Ohne Reverend Fraud hätt' ich mich schon lange vom Hausdach gestürzt!" erklärte Karin. "Nach Naddas Tod hab' ich echt nicht mehr weitergewußt. Zum Glück ist Reverend Fraud gerade noch zur rechten Zeit gekommen. Du mußt Reverend Fraud mit anderen Augen betrachten, Jochen, darum möchte ich doch sehr bitten."

"Weiß nicht, Karin ..." Das Kinn rieb Jochen sich.

"Das Böse hier in der Stadt, das ist nicht Reverend Fraud, Jochen!" zischte Karin. "Nein! Reverend Fraud will für jeden hier in der Stadt nur das Beste. Das wär Reverend Fraud am liebsten, wenn er uns alle aus dieser Stadt hinausführen könnte. Weit, weit fort von dem Ort."

Jochen wußte nicht, was er dauernd labern sollte.

"Je länger ich mich mit Reverend Fraud unterhalten hab', um so deutlicher ist Gott mir geworden, Jochen. Denk dir Reverend Fraud einfach als das Werkzeug Gottes. Reverend Fraud ist hier in der Stadt das Werkzeug Gottes, das gegen das Böse wirkt. Vergiß all deine Zweifel, Jochen. Wirf alles Unnütze über Bord. Du mußt doch nur zu Reverend Fraud kommen, mit ihm sprechen - Reverend Fraud hat für dich alles Verständnis, Jochen."

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